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Ausführungen zum Vorfall am 8.11.40 im Hörsaal 6 der Brauereihochschule Weihenstephan

„Wir wurden durch Anschlag am schwarzen Brett des NS-Studentenbundes aufgefordert uns an oben genannten Tag um 12 Uhr einzufinden. Dieser Anschlag war gezeichnet von dem erst seit kurzem zurückgekehrten Frontkämpfer Theo Rottammer.

Wir saßen in den letzten fünf oder sechs Bänken und Herr Theo Rottammer forderte uns auf, mehr nach vorne zu kommen, damit er nicht so laut sprechen müsse. Darauf setzten wir uns mehr vor, wobei sich einer hinter den Projektionsapparat setzte. Herr Röttger, der offenbar eine Funktion bei dem NS-Studentenbund innehat, wies uns in sehr barscher Art zurecht. Darauf zitierte Tibor Unger das bekannte Zitat aus dem Götz von Berlichingen. Er und Kommilitone Binding verließen den Hörsaal. Herr Rottammer wies die im Hörsaal verbliebenen Ausländer in einer Art und Weise zurecht, die zu der ihnen sonst in Großdeutschland erwiesenen Gastfreundschaft in krassestem Gegensatz steht.

Feind hört mit

Er hielt vor, dass Offiziere sich beschwert hätten, sie würden von uns nicht begrüßt. Ferner, wir würden das Lokal kurz vor oder während der Nachrichten verlassen; außerdem machte er zum Vorwurf, dass in einem Lokal, wo die Ausländer zu verkehren pflegten, ein Schild aufgehängt worden sei: Vorsicht bei Gesprächen, Feind hört mit. Gleichzeitig erbot er sich, Studenten mit Rat beizustehen in seiner Eigenschaft als Leiter des Außenamtes.

Wir erklären dazu: Da wir alle aus Städten stammen, wo es nicht üblich ist, die Gäste eines Speiselokales zu grüßen, unterließen wir es auch in Freising. Das Verlassen der Wirtschaft vor oder während der Nachrichten geschah bedenkenlos und wir bedauern damit irgendwelches Ärgernis hervorgerufen zu haben. Das Schild "Vorsicht bei Gesprächen, Feind hört mit" betreffend, können wir nur sagen, dass dies von einem Deutschen, der jederzeit gern zur Verfügung steht, in dem Lokal aufgehängt worden ist, und wir somit überhaupt nichts damit zu tun haben.

Die vor die Gestapo geladenen Kommilitonen Binding und Unger haben am 4.12.40 ihr Bedauern wegen diesem Vorfall dem NS-Studentenbund durch einen eingeschriebenen Brief ausgedrückt.“


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